Pasewalk+Kevelaer=Zusammenhalt
  Kevelaer
 

                                                                Kevelaer

 

Hörfunkbeitrag von Stefan Mülders auf
'Antenne Niederrhein' vom 18. Mai 1998

Gewalt an deutschen Schulen ist tatsächlich ein Problem, das ja in der Vergangenheit oft immer wieder ins öffentliche Interesse gerückt wurde. Und mit der Thematik Gewalt und Streit da haben sich jetzt erstmalig in Nordrhein Westfalen zwölf Schülerinnen und ein Schüler sowie zwei Lehrkräfte des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums in Kevelaer über ein gesamtes Schuljahr hinweg beschäftigt.

(Song-Einspielung ‚Meine kleine Schwester' von Spectacoolär:)
"Sie ist meine Schwester und trägt ein Messer, sie sagt, in der Schule sei sowas besser..."

Gewaltvermeidung und Streitschlichtung ist das Thema der AG, die Cornelia Kleff, Lehrerin am Kevelaerer Gymnasium, mit ihrem Kollegen Paul Wans im laufenden Schuljahr angeboten hat.
(Die Kursleiterin:) "Das, was uns dazu geführt hat, dieses Seminar, diese AG anzubieten, sind größtenteils auch Erfahrungen, die wir selbst auch in Fortbildungsveranstaltungen gemacht haben, und wir sehen darin eine große Chance, Schule nicht nur für Schüler zu gestalten, sondern dass die Schüler selbst Schule gestalten, dass sie diese Dinge selbst in die Hand nehmen und ihre Probleme, die ja auch in den eigenen Reihen entstehen, selbst lösen können."

Schule selbst gestalten sollen die Schüler dadurch, dass sie als gelernte Streitschlichter auftreten, wenn die Mitschüler sich in die Haare geraten. Dabei sollen sie nicht aktiv in den Streit eingreifen. Die Streitenden melden sich freiwillig in einem Schlichtungsraum, in dem mindestens ein Schüler sitzt, der durch die einjährige AG den Abschluss 'Streitschlichter' besitzt. Er gibt den Kontrahenten in einem etwa 20-30minütigen Gespräch Ansatzpunkte für einen dann selbst zu findenden Lösungsweg.

(Die Schüler:) "Man sieht halt viel Gewalt auch auf dem Schulhof und durch die AG, denk ich mal, kann man auch etwas dagegen tun."
"Ich wollte mal eine andere Möglichkeit kennen lernen, etwas gegen Gewalt zu tun."
"Ich habe eigentlich so die Erwartung gehabt, dass man hier aktiv etwas gegen Gewalt tun kann, und das fand ich sehr gut."
"Viele reden, keiner tut was; und hier lernt man eben eine andere Möglichkeit kennen, wirklich etwas gegen Gewalt zu tun. Ich denk mal, das ist ja nicht nur gut für die Schule, sondern auch so im Privatleben, in Familie usw. wichtig."

Die Maßnahme ist ein Versuch, der zunehmenden Gewalt an Schulen entgegenzuwirken. Streitigkeiten sind oft die Vorstufe zur körperlichen Gewalt. Durch die Schlichtungsgespräche soll die Gewaltbereitschaft reduziert werden.
Wolfgang Hünicke, der gemeinsam mit seinem Kollegen Günther Braun auch ein Wochenendseminar in Kevelaer leitete, hat das Projekt erstmalig im Sauerland ins Leben gerufen: "Wir haben zum Beispiel an der Realschule in Sundern mittlerweile vier Jahre Streitschlichtung durch Schülerinnen und Schüler und können aus der Erfahrung sagen, dass es ein Modell ist, das sehr gut funktioniert. Und mittlerweile ist auch an der Schule ganz deutlich zu spüren, dass eine veränderte Streitkultur da ist und Schülerinnen und Schüler anders als vorher mit ihren Konflikten umgehen können."

Ein weiterer Bestandteil des Projektes ist die Aufklärung über Streitschlichtungsgespräche am Kevelaerer Gymnasium bei den Fünftklässlern. In drei Unterrichtsstunden werden diese mit dem Angebot vertraut gemacht und auch die Eltern darüber informiert. Die AG zur Ausbildung von Streitschlichtern wird künftig jährlich für die neunten Klassen angeboten.

Stefan Mülders, Antenne Niederrhein
 
 
  Heute waren schon 1 Besucher (3 Hits) hier!  
 
Diese Webseite wurde kostenlos mit Homepage-Baukasten.de erstellt. Willst du auch eine eigene Webseite?
Gratis anmelden