Gewalt
Der Fall Nivel
Das wohl bekannteste Opfer randalierender Fußballhooligans ist der französische Gendarm Daniel Nivel. Am 21. Juni 1998 kam es im nordfranzösischen Lens nach dem Spiel Deutschland gegen Jugoslawien bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 zu Straßenschlachten zwischen Hooligans und der Polizei. Nivel erlitt damals schwerste Kopfverletzungen, fiel sechs Wochen ins Koma und ist seitdem schwerbehindert. Die Bilder der Prügelszene gingen um die ganze Welt.
Großveranstaltungen
Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde eine besondere Schwere der Gewalttaten befürchtet, die aufgrund des großen Polizeiaufgebotes und der allgemein positiven Euphorie der Fans jedoch größtenteils ausblieb. Allerdings wurden bei Aufeinandertreffen von Hooligans aus Deutschland, England und Polen in mehreren deutschen Städten (v.a. Dortmund, Stuttgart, Frankfurt) mehrere hundert Personen festgenommen. Jedoch fand dies in der deutschen Presse wenig Beachtung, womöglich um die positive Stimmung im Land nicht zu trüben und die Illusion einer friedlichen Weltmeisterschaft zu wahren.
Die meisten Hooligan-Gruppierungen veranstalten ihre Aufeinandertreffen heute nur noch selten an bestimmten Spieltagen, sondern immer öfter bei Wald-und-Wiesen-Treffen fernab von den Begegnungen. Hierzu verabreden und treffen sich die verschiedenen Gruppierungen zur selbstinszenierten "dritten Halbzeit" an ruhigen und verlassenen Orten, in Wäldern, auf Feldern oder auch in Gewerbegebieten. Dieses deviante Verhalten führt in der Regel zu Ermittlungsverfahren und Verurteilungen wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung.
Sicherheitsvorkehrungen gegen Hooligans
Die Polizei agiert in Deutschland mit szenekundigen Beamten in Zivil, die besonders gewaltbereite Personen an Spieltagen verstärkt beobachten bzw. mit Meldeauflagen belegen.
Zur Gewaltprävention werden vielfältige Maßnahmen angesetzt, durch die sich Hooligans und normale Zuschauer besser identifizieren und überwachen lassen. Dabei werden die Hooligans mitunter als Begründung für die Notwendigkeit neuer Sicherheitsmaßnahmen herangezogen, wie z.B. die Videoüberwachung in den Städten anlässlich der Fußball-WM 2006.
1992 wurde die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) beim Landeskriminalamt Düsseldorf eingerichtet. Die ZIS registriert und beobachtet bundesweit Fußball-Gewalttäter im Rahmen der Kartei und steht mit anderen Ländern über den internationalen Datenaustausch in Verbindung, um den Einlass von Hooligans in Stadien zu verhindern.
Insbesondere aus dem Umfeld der Ultras wird das Vorgehen der Polizei oft als repressiv und unverhältnismäßig kritisiert sowie eine mangelnde Trennschärfe zwischen Hooligans, Ultras und "normalen" Fußballfans bemängelt. Aufgrund schlechter Erfahrungen reagieren viele ursprünglich gewaltfreie Fußballfans inzwischen aggressiv auf die Sicherheitskräfte, wodurch sich die Situation gegenseitig hochschaukelt.
Bevorzugte Musik der Hooliganszene
Der Musikstil ist stark von Punkrock, Oi! und artverwandten Formen der Rockmusik geprägt. Die Texte handeln häufig von Kampfgeist, Stärke, Durchhaltevermögen, Freundschaft und dem Unverständnis Außenstehender. Im deutschen Raum ist eine der bekanntesten Hooligan-Bands die früher unter dem Namen Kategorie C bekannte Bremer Band VollKontaCt.
Sehr beliebt unter Hooligans ist außerdem Hardcore Techno. Vor allem in den Niederlanden und dort insbesondere in Rotterdam arbeitet die Hooliganszene Hand in Hand mit der Gabber-Szene.
Literatur
- King, Martin: Hoolifan, Trolsen Communicate, Hamburg 2003, ISBN 398090640X
- Baudrillard, Jean: Das Heysel-Syndrom. [ http://www.monde-diplomatique.de/pm/1998/06/12/a0411.text.name,ask90EfdP.n,2 ]
- Buford, Bill: Geil auf Gewalt, Carl Hanser, München 2001, ISBN 3446171606
- Farin, Klaus: Die dritte Halbzeit, Thomas Tilsner Verlag, Bad Tölz 2002, ISBN 3910079490
- Schneider, Thomass u.a.: Fußballrandale: Hooligans in Deutschland, Klartext-Verlag, Essen 1998, ISBN 3-88474-448-8
- King, John: Der letzte Kick, Wilhelm Goldmann Verlag, München 1999, ISBN 3-442-54057-7
Filme